Einander vergeben – aber richtig! (#4)

Von Rahel & Florian Sondheimer

Kompetenzförderung YWBS Sondheimer

Den Groll loslassen

Die Sache mit dem Vergeben ist gar nicht so einfach. Klar, dass Vergebung eine Notwendigkeit ist, um mehr Leichtigkeit zu erlangen, ist heute nicht nur unter Frommen ein Thema. Doch ist Vergeben der erste Schritt? Ich sage: «Nein» – Erstaunt? Ganz bestimmt…

Um Vergeben zu können, benötige ich leere Hände, da ich Vergeben nicht aus mir selbst kann. Vergebung ist ein Geschenkt, welches ich zuerst empfangen und erst dann weitergeben kann. Der erste Schritt ist also das Loslassen. Beim Loslassen geht es darum, den Täter innerlich loszulassen und ihm die Verantwortung für sein Tun zurückzugeben.

  • Ich halte den Täter nicht mehr fest – damit werden meine Hände frei, etwas zu empfangen (Gnade) und weiter zu geben: Die Vergebung!

Du findest loslassen schwieriger als Vergeben? Ja, das ist oft so. Denn beim Loslassen geht es nicht um ein «frommes Gebet», sondern um die Auseinandersetzung mit den eigenen toxischen Gedanken. Und sich mit Gift auseinandersetzen ist nicht gerade angenehm. Aber, es ist der Weg in die Freiheit – in die Leichtigkeit, die du so gerne haben möchtest. Gerne gebe ich dir drei klärende Fragen mit auf den Weg:

1. Was sind deine Gründe, nicht loslassen zu wollen?

  • Niemanden mehr haben den ich anklagen kann
  • Kann mich nicht weiter in meiner Opferhaltung suhlen
  • Kann nicht mehr an meinem Groll festhalten
  • Stolz
  • Dann muss ich alte Verhaltensmuster loslassen

2. Was liegt vor mir, wenn ich nicht loslasse?

  • Ich halte weiter an meinen alten Mustern fest z. B.
    • Überhöhte Ideale
    • Abwerten
    • Mich selbst runtermachen
    • Ich halte an der Opferhaltung fest, verhindere, mich selbst als Täter zu sehen und dafür die volle Verantwortung zu übernehmen; vor allen ist die Nähe, der Kontakt zu Gott weiterhin gestört

3. Vor was muss ich kapitulieren, um vergeben zu können?

  • Stolz
  • Vermeintliche Stärke, die Schwäche nicht zulassen kann
  • Von der Überzeugung, dass ich nur Opfer – nicht Täter bin

Vergeben – Verzeihen – Versöhnung

Gibt es zwischen Vergeben, Verzeihen und Versöhnen einen Unterschied?
Ja, definitiv. Anbei eine Definition:

Wer vergibt, gibt etwas her. Er verzichtet auf den Schuldvorwurf und auf seinen Anspruch der Wiedergutmachung des erlittenen Unrechts, ohne die erlittene Verletzung zu relativieren oder zu entschuldigen.

Wer verzeiht, verzichtet im wahrsten Wortsinn ebenfalls auf den Schuldvorwurf und den Anspruch der Wiedergutmachung. Beim Verzeihen wird der Täter mit in das Geschehen einbezogen. Verzeihen ist im Gegensatz zur Vergebung ein zwischenmenschlicher Prozess. Verzeihen setzt allerdings nicht zwingend voraus, dass man mit dem Täter eine zukünftige innige Beziehung wiederherstellen möchte.

Versöhnung ist mehr als vergeben und verzeihen. Versöhnen setzt voraus, dass der Täter seine Tat einsieht, sie bereut und beide – Opfer und Täter – den Wunsch haben, aufeinander zuzugehen, einen Schlussstrich unter das Vergangene zu ziehen, verbunden mit dem Wunsch nach einer zukünftigen guten Beziehung.

  • Wie wäre es, den ersten Schritt zu tun? Ich lade dich ein dazu. Denn:

Das Leben kann nicht abheben, wenn das Gepäck nicht abgegeben werden möchte.

Vergebung als Prozess

Muss man nun anderen einfach demütig vergeben und darf sich nicht wehren? In der nuthetischen (ermahnenden) Seelsorge wurde das oft propagiert. Jedes Problem wurde an unvergebener Sünde gegenüber Gott oder Meschen verortet. Nein, Jesus sagt in Mt 18,15, sündiges Verhalten unter vier Augen anzusprechen. Es geht nicht darum, nichts sagen zu dürfen und einfach vergeben zu müssen. Ungute Dinge sollen aufgearbeitet werden, allenfalls mit einem Vermittler.

Und was ist, wenn man keine Kraft mehr hat, zu vergeben? Wenn über viele Jahre hinweg Schweres geschah? Wenn man sehr wohl vor Gott vergeben hat, aber emotional ist es immer noch gleich?

  • Stichwort: Schwiegermutter zur Schwiegertochter.
  • Oder ein Arbeitgeber, der sehr sachorientiert, man selbst aber beziehungsorientiert ist.
  • Oder da ist ein Ehepaar, wobei der Mann häufig seine Linie durchzieht. Um der Kinder willen machte die Frau über Jahre kein Aufsehen. Man müsse ja vergeben… Bis sie dann einbrach.

Sich vergeben ohne Dinge anzusprechen ist keine fromme Tugend. Kleine, einmalige Dinge: ja, denn die Liebe deckt viele Sünden zu (1Petr 4,8). Aber wenn es sich häuft, dann Dinge rechtzeitig offen anspreche. Hole dabei genügend früh Hilfe von aussen. Da man selbst Teil des Problems wurde, geht es alleine oft nicht. Wenn man keine Kraft zur Vergebung mehr hat, ist es häufig zu spät.

Zuweilen erlebt man in der Seelsorgepraxis auch, dass es bei grossen Dingen oft nicht reicht, einmal zu vergeben. Hat man ein Trauma über Raten erlebt, in dem über Jahre immer wieder etwas dazukam, bedeutet Vergebung oft, 70×7 Mal (Mt 18,22) zu vergeben. Wenn Gott uns Dinge lässt aus unserer Vergangenheit aufarbeiten, braucht es häufig – über einen längeren Zeitraum hinweg – ein permanentes Vergeben können. Schicht um Schicht wird abgetragen und vergeben: eben 70×7 Mal. Bei grossen Verletzungen kann das Vergeben somit einige Zeit in Anspruch nehmen.

In 2. Korinther 2,10 drückt es Paulus so aus: «Wem aber ihr etwas vergebt [immer wieder], (dem vergebe) ich auch. Denn auch ich habe, wenn ich etwas zu vergeben hatte, es vergeben [abgeschlossen] um euretwillen vor Christi Angesicht.» «Ich vergebe» ist oft ein Prozess, bis man dann sagen kann: «Ich habe vergeben». Wir hätten es gerne schnell: Wir bitten Gott im Gebet (allenfalls mit einem Seelsorger) um einen Durchbruch, und schwups, alles ist gut. Doch dadurch würde unser Wesen nicht verändert. Es gilt, hinzusehen, sich zu reflexieren und an sich zu arbeiten!

Ob es danach auch wieder zur Versöhnung und zum neuen Vertrauen kommt, ist eine andere Frage. Manchmal hat man vergeben, aber die Kraft reicht nicht mehr, wieder Vertrauen aufzubauen. Aber das ist ja bei uns allen so, dass wir nicht zu allen Menschen ein tiefes Vertrauen haben, und das ist auch nicht weiter falsch. Vergeben ist nicht erst dann geschehen, wenn es wieder so friedlich war wie vorher. Verletzungen können heilen, die Narben hingegen bleiben zuweilen bestehen.

Einander vergeben um Jesu Willen

Jesus macht in Matthäus 18 ein Gleichnis: «Als er anfing abzurechnen, wurde einer vor ihn gebracht, der war ihm 10’000 Zentner Silber schuldig.» (V24). Hier rechnet ein König durch einen Verwalter ab. Dieser entdeckt, dass einer der Knechte in der Schuld zum Herrn stand. Wie gross war dessen Schuld? 10’000 Zentner Silber entsprach dem Staatshaushalt von König Agrippa. Diese Menge Geld (= 60’000’000 Tagelöhne) besitzt niemand. Es geht hier aber nicht um die absolute Höhe, ist 10’000 Zentner Silber ja auch ein runder Betrag, sondern es geht darum, dass die Schuld unzurückzahlbar hoch ist. So gross stehen wir alle vor Gott in der Schuld. Wir sind von Geburt an durch und durch Sünder (Röm 3,12). Das Gleichnis macht aber klar, dass wir total verdorben sind. Um das zu erkennen, gab Gott uns das Gesetz (Röm 3,20). Das Gesetz spricht nicht nur vom nicht Töten oder Ehebrechen, sondern Jesus zeigt, wie es eigentlich gedacht war: Die Gedanken zählen (Mt 5,22.28)! Wir alle haben schon alle der Zehn Gebote zumindest in Gedanken übertreten. Wir haben keine Chance, die Gebote zu halten. Immer wieder fallen wir doch in eine Sünde, selbst, wenn wir das gar nicht wollen (Röm 7,15; Gal 5,17). Die alte, sündige, fleischliche Natur keimt immer wieder auf. Von uns aus sind wir dermassen sündhaft, dass wir ständig Gebote übertreten (1Tim 1,15; Jak 4,8; 5,20). Unser Fleisch will sündigen. Von uns aus haben wir keine Chance, vor Gott zu bestehen. Unsere Schuld vor Gott ist unvorstellbar gross, auch mit den besten Anstrengungen können wir kein sündloses Leben führen (Gal 3,11). Wir verfehlen uns ständig vor Gott (Jak 3,2; 1Joh 1,8). Unser Wesen kann der Sünde nicht widerstehen. Darum häufte sich – wie im Gleichnis dargestellt – diese grosse Schuld auf. Wir alle hätten die Hölle verdient.

Der Knecht bittet seinen Herrn aber um Vergebung. «Der Herr jenes Knechtes aber empfand Mitleid, liess ihn frei und erliess ihm das Darlehen.» (Mt 18,27). Jetzt wird die Grösse Gottes sichtbar. Gott schuf den Menschen nicht, dass er die Gebote von sich aus halten könnte, sondern der Mensch soll erkennen, dass er es nicht schafft, sodass er sich Christus zuwendet (Gal 3,24; Röm 10,4). Wie der Herr in diesem Gleichnis dem Knecht alle Schuld erlässt, so geschieht dies bei uns, wenn wir uns zu Jesus bekehren und wiedergeboren werden. Durch den Glauben, dass Gott seinen Sohn von den Toten auferweckt hat, werden wir gerechtfertigt. Jesus Sündlosigkeit wird uns angerechnet.

Dieser Knecht wollte aber wiederum seinen Mitknechten nicht vergeben. Doch jetzt interveniert Jesus: «Hättest du dich da nicht auch erbarmen sollen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmt habe?» (Mt 18,33). Wir vergeben einander, weil Jesus uns die noch viel grössere Schuld vergeben hat: «Vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.» (Eph 4,32). Wir warten dabei nicht, bis der andere sich bei uns entschuldigt, denn auch Jesus ist «für uns gestorben, als wir noch Sünder waren.» (Röm 5,8). So werden wir Friedensstifter auf dieser Welt (Mt 5,9).

Das gilt letztlich auch für uns selbst. Ein Herz, dass loslassen und vergeben kann, lebt gesünder. Zuweilen müssen wir – oder vielmehr: dürfen wir – die Vergebung Jesu auch auf uns selbst anwenden. Sich selber wegen einer Fehlentscheidung zu vergeben geht ja nicht. Aber wir dürfen es noch tiefer lernen, in der Vergebung zu leben.


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Warum um Himmels Willen so viele Wege zur Veränderung? (#3)

Kompetenzförderung YWBS Sondheimer

Warum sehen es nicht alle so, wie ich? Wäre es nicht einfacher, alle würden sich dem Leiter unterordnen? Ist das nicht der Weg, der zum Ziel führt?

Nüchtern der Reihe nach: Was ist das Ziel eines Gläubigen auf Erden? Röm 8,29 drückt es so aus: „Die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes.“ Wir werden im Denken, Reden und Handeln immer mehr so, wie Jesus ist. Wir machen hier auf Erden so quasi einen Ehevorbereitungskurs. Wir sind ja gemäss 2Kor 11,2 die Braut, die sich auf die Hochzeit mit Jesus vorbereitet (Offb 19,7). Nun gilt es, dass wir uns immer mehr Jesus annähern und synchroner zu ihm sind. 

Alles klar! Das bringt mit sich, dass wir verändert werden sollen: „Werdet verändert durch Erneuerung des Sinnes.“ (Röm 12,2). Die Veränderung an sich können wir nicht bewirken, die macht Gott in uns, indem der Heilige Geist von uns immer mehr Raum in uns erhält. Dadurch wächst die Frucht des Geistes (Gal 5,22). Unser Anteil ist, uns in die Gegenwart Gottes zu begeben, wodurch wir verändert werden. Paulus spricht in 2Kor 3 darüber. Er bezieht sich in V13 auf 2Mose 34,33, als Mose auf dem Berg Sinai war und da sein Gesicht durch die Gegenwart Gottes begann zu glänzen. Genauso „widerspiegeln wir die Herrlichkeit des Herrn wider, und werden verwandelt in sein Bild.“ (V18). 

Eben! Also mir nach, Marsch! Nur, wie begeben wir uns richtig in die Gegenwart Gottes? Darin ist eben jeder Mensch verschieden! Auch schon realisiert? Zur Unterstützung hat Gott der Gemeinde fünf Dienstesgaben gegeben, durch die wir „zugerüstet werden zum Werk des Dienstes.“ (Eph 4,11). Wir beginnen uns so zu verändern, sodass wir dann auch ausleben, was Gott will. Beachte aber, wie jedes der fünf Veränderung in anderen bewirkt:

Der Apostel ist der visionäre Typ. Geschäftig will er am liebsten Resultate der Verbesserung sehen. Er betrachtet die Dinge sachlich und will, dass man sich von einem Problem A fortbewegt und einen Schritt weiter bei der Lösung B ankommt. „Lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit.“ (1Joh 3,18). Das ist konkret! So soll es sein! > Entscheide dich also, diesen Weg der Veränderung zu gehen, nur so geschiet Veränderuing! Je mehr wir erreichen, umso besser. Leider sind aber viele Christen zu wenig brennend und darum im Aufbau des Reiches Gottes nicht tauglich. Wenn nur alle so wären wie ich, hätten wir schon lange einen Durchbruch erzielt. Aber leider muss ich ja alles selber machen. Die anderen sehen die Sache ja nicht richtig. 

Ausgeprägten Propheten brauchst du so überhaupt nicht zu kommen. Er lässt sich als gemütlichen Typen nicht herumkommandieren. Die Beziehung zu Gott ist schliesslich entscheidend. „Bringet dar dem HERRN die Ehre seines Namens, bringet Geschenke und kommt vor ihm und betet dem HERRN an in heiligem Schmuck!“ (1Chr 16,29). Die Ehre gehört schliesslich ganz Ihm alleine. Er sagt mir, wo es durchgeht. Menschliche Meinungen taugen nicht. Der Prophet muss Gott fühlen und spühren. Dadurch erfährt er, wie Gott ist und was er meint, was dann das Leben des Propheten verändert. > Suche Gottes Angesicht und begegne deinem Gott, am besten 24 Stunden am Tag! Das wird dich verändern. Nimm einfach in Anspruch, was Jesus für dich am Kurez getan hat. Es ist schliesslich alles vollbracht! 

Für den Evangelisten hat man sich dann ins Bild Jesu verändert, wenn andere Menschen ihr Leben Jesus gegeben haben und sich nun Jesus anpassen. Er fühlt sich bestätigt auf dem richtigen Weg zu sein, wenn er sieht, dass durch seinen Dienst andere sich verändern. Das treibt ihn weiter und verändert ihn, wird er ja von Gott bestätigt. > Sprich von Jesus oder diene einem Ungläubigen, mindestens ein gutes evangelistisches Gespräch, ein Gebet, oder eine gute Tat pro Woche! Jemanden einladen ist auch gut. „Steht nun fest, … beschuht an den Füssen, bereit für das Evangelium des Friedens.“ (Eph 6,15). Dabei ist der Evangelist mehr als die anderen vier auf das Wirken des Heiligen Geistes angewiesen, schliesslich arbeiten sie mit Gott fernen Menschen. Und zudem kann man im Himmel nicht mehr evangelisieren… 

Für den Hirten ist das zu sachlich. Menschen sind schliesslich unterschiedlich und haben auch einen emotionalen Teil an sich. Als freundliche Menschen brauchen sie die Bestätigung der anderen. Schliesslich wollen sie in Harmonie leben und haben darum Mühe, „nein“ zu sagen. Wenn man ihnen aber den Zuspruch gibt, dass sie auf dem richtigen Weg sind, bewegen sie sich vorwärts. „Ich bin arm und elend; der Herr aber sorgt für mich. Du bist mein Helfer und Erretter; mein Gott, säume doch nicht!“ (Ps 40,18). > Erfasse immer wieder neu den Trost und die Hoffnung von Jesus. Er begleitet dich auf allen deinen Wegen. Du darfst darum mutige Schritte tun. Oder beschäftigt dich gerade noch etwas anderes? Lasst uns darüber reden!

Als Lehrer ist man sachlich und konsequent. Das, was die anderen nicht auf die Reihe kriegen, kann er analysieren, zusammenfassen und einfach auf den Punkt bringen. Lasse ihm nur die Zeit, alle Details zu erfassen… (Pause). Das gilt insbesondere, was das Wort Gottes betrifft. Paulus bezeugt schliesslich: „Darum lassen auch wir … nicht ab, für euch … zu bitten, dass ihr erfüllt werdet mit der Erkenntnis seines Willens, … dass ihr … wachst in der Erkenntnis Gottes.“ (Kol 1,9). Begreift der Lehrer, warum und wie etwas ist, macht es klick, was sein Verhalten ändert. > Gewinne Erkenntnis über Gottes Offenbarung, das verleiht dir Stabilität und Weisheit. Das ist es, was wir je länger je mehr brauchen! Schliesslich baut sich die Gemeinde auf das, was uns die Bibel zeigt, nichts anderes!

Hm, und jetzt? Erkenne, dass wir zur Veränderung des Menschen alle Arten in der Verkündigung brauchen. Lasse es zu, dass der andere einen anderen Schwerpunkt setzt. Höre ihm zu, statt zu denken, du wüsstest, was er meint. Dadurch wird es ausgewogen. Viel Geduld! 


Was ist für dich „Erfolg“? (#2)

Kompetenzförderung YWBS Sondheimer

Was ist für dich Erfolg? Das ist eine wichtige Frage, gerade auch in einer Zeit, wenn nicht alle so aktiv sein können, wie sie das eigentlich wollten. Schnell liegt dann die Realität unter den Erwartungen. Und das beeinträchtigt den persönlichen Erfolg und damit das eigene Glück. 

Glücklichsein kann man auf eine einfache Formel bringen: G = R – E. Glück gleich Realität minus Erwartung. Kann ich weniger leisten, als ich erwartete, werde ich unglücklich, denn ich kann keinen Erfolg ausweisen. Darum die Frage an dich, was für dich Erfolg ist. 

Mehr als erwartet = glücklich
Weniger als erwartet = unzufrieden

Gemeinhin wird Erfolg am Reichtum gemessen. Erfolgreich ist, wer in einer luxuriösen Villa an top Lage wohnt, sich teure Ferien leisten kann, einen SUV fährt, eine Jacht und teure Uhren besitzt, jemand, der seiner Freundin alles kaufen kann und selber kaum mehr arbeiten muss. Oder vielleicht müssten wir sagen, das alles ist die Folge des Erfolges. Erfolg ist, wenn mein Geschäft floriert und ich immer mehr Umsatz mache und die Gewinnmarge steigt. Oder Erfolg ist, wenn meine Bekanntheit immer mehr wächst und ich mich selbst immer teurer vermarkten kann. Oder Erfolg ist, wenn ich die Karriereleiter immer mehr emporsteige und mein Einfluss auf andere zunimmt. 

Auch wenn die Arbeitsgebiete verschieden sind, Erfolg wird oft mit den Stichworten „mehr“, „besser“, „höher“, „weiter“, „länger“, „schneller“ genannt. Geld, und dadurch Reichtum, ist das Mass, wie wir oft in unserer Gesellschaft den Erfolg messen. 

Zuoberst sein wollen = Stress

Heisst das automatisch auch, dass diese Menschen zufriedener sind? Nicht unbedingt. Erfolg geht mit harter Arbeit einher. Überstunden, kaum Ferien, Sorgen um die Rentabilität des Geldes oder soziale Distanzen, allzeitliche Verfügbarkeit usw. können der Gegenpreis sein. Manche Ehe und Familie wurde zerrüttet, weil das Ziel, reich zu werden, angestrebt wurde. Man konnte sich zwar alles leisten, was auch entlastend ist, aber das macht noch nicht das Leben aus. Der Mensch ist keine Maschine, der man einfach alles Materielle zugeben muss, sondern er ist immer auch emotional. Alles, was geschieht, macht mit uns etwas. 

Überlege dir mal: Was sind deine drei grössten Erfolge im bisherigen Leben? Was hat das in dir bewirkt? Wurdest du dadurch gesättigt, zufriedener und offener gegenüber anderen? Ist Erfolg nicht erst dann Erfolg, wenn du diesen auch geniessen kannst? Überlege weiter: Was wäre, wenn du in deinem Sinn erfolgreich gewesen wärest? Wie könntest du „Erfolg“ für dich auch noch definieren? 

Ist Erfolg auch das, dass man sich geborgen in Gott fühlen kann? Oder dass man in einer Familie leben darf, bei der man sich zu Hause fühlt und man sich freudig begegnen kann? Gehört zum Erfolg auch, zufrieden mit dem sein zu können, was man hat? 

Den Erfolg geniessen = glücklich

Erfolg zu haben bedeutet für mich, wenn ich mit meiner Familie in Frieden und Sicherheit leben darf, einen bewährten Glauben habe, mich weiterentwickeln kann und ich im grossen Mass Sinn im Leben erfahren kann, indem ich Menschen Zusammenhänge aufzeigen kann, dass sie umsichtig handeln können. Auch meine Gesundheit und mein Hobby (Biken, Wandern, Fotografieren, Ferien) zeitlich wie finanziell pflegen zu können gehören dazu.

Erfolg beginnt im Kopf. Was sind deine häufigsten Gedanken und Gefühle? Das wird dein Handeln bestimmen. Es lohnt sich also, darüber nachzudenken, was für dich „Erfolg“ bedeutet. 


Beachte alle vier Rollen (#1)

Beachte in deiner persönlichen Entwicklung alle vier Rollen der Beeinflussung

Eine klare Rollenverteilung in einem Team oder für sich selbst bei mehreren Mandaten ist wichtig, um sich am rechten Ort abgrenzen zu können. Im Blick auf unsere Weiterentwicklung sind alle Rollen wichtig. Sonja Radatz spricht von «vier Beratungs- oder Führungsstilen» (Beratung ohne Ratschlag, S. 98). Ihre Grafik passe ich für mein Verständnis der verschiedenen Rollen als Begleitperson an: 

Der Trainer / Berater weiss in der Theorie, was ist und weiss, wie es umgesetzt sein soll. Somit ist der Trainer einer, der Wissen vermittelt. Er ist diesbezüglich einen Schritt weiter. Jemand ist zum Beispiel als Lehrer an einer Schule oder an Kursen in Vereinen tätig, oder er ist in der Beratung mit psychisch angeschlagenen Leuten unterwegs. Im Blick auf den GPI Persönlichkeitstest ist es naheliegend, dass der Trainer auch konsequente Anteile hat. 

Der Mentor / Consultant weiss, wie es sein soll und will das in der Praxis umgesetzt sehen. Er begleitet Mentees und wirkt mit seinem Wissen und seiner Erfahrung als Experte. Er berät und gibt Feedback. Ein Arbeitgeber mentort zum Beispiel die Praktikanten oder führt ein Team. Bezüglich GPI ist es gut, geschäftige Anteile zu haben. 

Der Coach kennt sich selbst gut und kann bei Kunden Neues (Unbewusstes) hervorholen. Er begleitet Menschen in ihren Prozessen, ohne selbst in der Umsetzung anwesend zu sein. Der Coach begleitet Menschen, die gerade anstehen oder eine persönliche Veränderung anstreben. Dies nicht, indem er sagt, was ist, sondern indem er durch „die richtigen Fragen“ Menschen zur Selbsterkenntnis führe. Es macht Sinn, wenn der Coach auch gemütliche Anteile hat. 

In Kirchen gibt es zudem auch Seelsorger. Sie sind nahe am praktischen Leben des Ratsuchenden und tragen in Krisen mit. Er sorgt auch für die geistliche Entwicklung von Menschen. Es ist gut, wenn ein Seelsorger freundliche Anteile hat. 

Diese Quadranten passen auch gut zur persönlichen Veränderungskurve (Vier-Zimmer-Modell):

  1. Den Seelsorger braucht es vor allem in der ersten Phase des Schocks. Jemand erhält zum Beispiel die Kündigung der Arbeitsstelle.
  2. Der Coach begleitet dann in der 2. Phase des Widerstandes und der Verneinung (man kann das Erlebte noch nicht richtig glauben, oder wehrt sich dagegen) wie in der 3. Phase der Akzeptanz (intellektuell wie emotional) und des Erkundens.
  3. Der Trainer ist vor allem in der 3. Phase tätig, indem Neues entdeckt und neue Verhaltensmuster eintrainiert werden. Der Blick weitet sich.
  4. Der Mentor begleitet dann in der 4. Phase der Neuorientierung und Integration. Man findet sich in der neuen Aufgabe zurecht.

Beziehen wir diese vier Rollen auf die persönliche Ausbildung und Weiterentwicklung, hat jeder Mensch – je nach Persönlichkeitstyp – seine Präferenzen. Der konsequente Typ will am liebsten nur das sachliche Wissen aufnehmen (Trainer / Lehrer). Doch die Wissensvermittlung alleine macht noch keine Ausbildung, auch wenn dies in der Vergangenheit oft so praktiziert wurde. In unserer vielschichtigen Zeit muss Persönlichkeitsentwicklung mehr beinhalten.

Ständige sachliche Weiterbildung ist zwar unabdingbar, um sich entwickeln und verändern zu können, das gelernte Wissen muss aber auch anwendbar sein. Erst, wenn man verstanden hat, wie man Wissen anwenden kann, hat man den Inhalt verstanden (Mentor). Die gewonnene Erfahrung macht den Unterschied zum Schulabsolventen.

Wissen und Anwendung bleiben dabei auf der Sachebene. Der Mensch hat aber auch eine emotionale Seite. Zum erfolgreichen Arbeiten gehören darum – nebst Sachwissen und Erfahrung – auch die charakterliche Stärke. Nur eine Person, die sich selbst reflektiert und Veränderungsprozesse angeht, kann auf die Dauer erfolgreich bestehen. Da aber jeder Mensch seine blinden Flecken hat, brauchen wir eine Aussensicht. Ein Coach bewirkt, dass wir für unser Leben neue Fragen gestellt bekommen. So arbeiten wir an uns selbst.

Als Christ ist es zudem entscheidend, dass wir uns auch spirituell weiterentwickeln. Die Begegnung mit Gott und Mitmenschen wirkt sich auf unsere Kompetenz aus (Seelsorger). Gott hat sich uns in der Bibel offenbart, woraus wir Leitung für unsere Leben erhalten.

Spielen alle vier Bereiche der Beeinflussung zusammen, ist eine zukunftsgerichtete Persönlichkeitsentwicklung und ein erfolgreiches Bestehen in der Gemeinschaft und der Arbeitswelt optimal möglich.


Bibellese im Wandel der Zeit

Während es noch vor einer Generation üblich war, dass Gemeinden einen Bibelabend anboten, wurde diese Möglichkeit nach und nach durch die Kleingruppenarbeit ersetzt. Hintergrund war die langsame Abkehr von einem argumentativen Christsein. Dieses intellektuelle Christsein war vorher nötig, da der Theologe Rudolf Bultmann 1941 in seinem Buch „Neues Testament und Mytholgie“ zur „Entmythologisierung“ der Bibel aufgerufen hatte. Alle Wunderberichte seien lediglich Mythen, die man in einer modernen Zeit nicht mehr glauben könne. Die Folge war, dass in Freikirchen der Glaube mit Argumenten apologetisch gefestigt wurde. Die Schweiz erlebte diese heisse Phase in den 70er Jahren. In den 90er Jahren schien der Angriff abgewehrt zu sein, sodass das praktische Leben als Christ in den Vordergrund trat. Kleingruppen verdrängten den Bibelabend.
Was historisch gesehen verständlich ist, zeigt eine Generation später ihre Folgen. Die Bibel wird nicht mehr so intensiv gelesen. Die Erkenntnis über den biblischen Inhalt schwindet, respektive baut sich schon gar nicht mehr auf. Die postmoderne Zeit steuert das ihre dazu bei, indem die Wahrheit als etwas Relatives angesehen wird. Wahr ist, was einem etwas nützt. Wenn jemand etwas erlebt hat, ist dies der Beweis dafür, dass das Erlebte wahr ist. Was die Heilige Schrift dazu sagt, bleibt kaum beachtet. Häufig sind es mehr die eigene Tradition und der Mainstream einer Bewegung oder einer Gemeinde, die die Wahrheit der Bibel definieren, statt die saubere Exegese (Auslegung) der Schrift. Da vielerorts die Geschichte des eigenen Verbandes weitgehend unbekannt ist, entstehen aber viele Subströmungen. Jeder bringt seine Ideen und Meinungen ein, ohne sich der eigenen Hermeneutik (Lehre über die Auslegung der Schrift) bewusst zu sein. In unseren Gemeinden ist darum vieles theologisch unreflektiert. Dies wiederum führt zu heftigen Meinungsverschiedenheiten, was der Zusammenarbeit nicht förderlich ist.
Eine Neuauflage von Bibelkenntnis ist von Nöten! Nur durch die Erkenntnis der Schrift kann der Glaubende auf Christus hin wachsen. Es erstaunt darum nicht, dass auch Paulus und Petrus oft für die Gemeinde beten, dass diese an Erkenntnis über Gott zunehmen dürfen (Eph 1,17; Phil 1,9; Kol 1,9; 2,2; Tit 1,1; Phlm 6; 2. Petr 1,3; 3,18). Die Schrift eröffnet uns geistliche Zusammenhänge, die wir nur durch Offenbarung von Gott erhalten können.
Interessant ist, dass die Reveal-Studie der Willow Creek Church, die untersuchte, wie Glaubende geistlich wachsen, im Jahre 2004 zum Schluss gekommen ist, dass das intensive Nachdenken über und Leben mit der Bibel der kraftvollste Faktor im geistlichen Wachstum ist. Stehen wir uns da selbst im Weg, uns geistlich entwickeln zu können?